Die Wilde Möhre (Daucus carota)

 

...ist einer der hervorstechendsten Wiesenbewohner. Mit ihren großen weißen Schirmen prägt sie von Juni bis September zahlreiche bunte Wiesen (Abb. 1). Doch nicht nur optisch sticht sie hervor; auch was die Anzahl der Blütenbesucher angeht nimmt die Wilde Möhre eine Spitzenposition unter den heimischen Wiesenblumen ein: Ganze 25 Wildbienenarten sammeln an ihr Pollen für ihre Nachkommen. Darunter auch deutschlandweit vom Aussterben bedrohte Arten wie die Glanz-Schmalbiene (Lasioglossum laeve) und die Fahlbeinige Kielsandbiene (Andrena pallitarsis)1. Aber nicht nur Bienen werden von den leicht zugänglichen Doldenblüten angelockt. Auch zahlreiche andere Insekten wie Wanzen, Florfliegen und Käfer laben sich an ihrem Nektar und Pollen (Abb. 2 und 3). Für andere Wiesenbewohner hat jedoch das Grün der Pflanze die größere Bedeutung; sie benötigen Blätter, Stängel oder Wurzeln als Futter in ihren Jugendstadien. So kann sich beispielsweise der Marmorierte Steppenrüssler (Mecaspis alternans, Abb. 4) nur an Wilden Möhren entwickeln, die auf offenen Magerrasen oder Schotterflächen wachsen2. Zu dicht bewachsen sollte eine Wiese also nicht sein, wenn man das ganze Artenspektrum an Möhren-Bewohnern bewundern will. Auch ihr wohl bekannteste Gast, der Schwalbenschwanz (Papilio machaon), mag seinen Möhrenbestand eher offen und sonnig.

Literatur zum direkt Nachlesen

 

  1. Westrich, P. (2018) Die Wildbienen Deutschlands. Stuttgart, Eugen Ulmer KG.
  2. Rheinheimer, J. & M. Hassler (2010) Die Rüsselkäfer Baden-Württembergs. Hrsg. LUBW Baden-Württemberg. Karlsruhe, Verlag Regionalkultur.

 

Abbildung 1: Seitdem die Grünflächen der Alexander-Fleming-Schule nur noch einmal im Jahr gemäht werden, können dort große Bestände der Wilden Möhre zur Blüte kommen.
Abbildung 4: Der Marmorierte Steppenrüssler braucht sehr offene Bestände der Wilden Möhre und ist deshalb auf der Roten Liste Baden-Württembergs als gefährdet eingestuft.
Abbildung 2: Die Blüten der Wilden Möhre sind bei zahlreichen Insekten sehr beliebt, da Pollen und Nektar leicht zugänglich sind.
Abbildung 3: Der Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta) ernährt sich v.a. vom nahhaften Pollen der Wilden Möhre.

Verfasser: S. Görn