Die Schlingnatter (Coronella austriaca)

 

Die Schlingnatter oder auch Glattnatter (Coronella austriaca) ist die kleinste und unscheinbarste Schlange Baden-Württembergs. Die in Mitteleuropa weit verbreitete Natter erreicht nur eine Körperlänge von 60 bis 75 cm und ein durchschnittliches Körpergewicht von 50 bis 80 Gramm. Ihre Körperfarbe variiert zwischen grau, graubraun, olivgrün, bräunlich, rötlichbraun oder lehmgelb, wodurch sie optisch sehr gut mit ihrer Umgebung verschmilzt (Abb. 2). An den Seiten ihres Kopfes besitz die Schlingnatter einen dunkelbraunen Streifen, der sich vom Nasenloch bis zum Mundwinkel erstreckt (Abb. 1). Ebenfalls charakteristisch ist die herz-oder kronenförmige Zeichnung auf dem Hinterkopf, der sie ihren wissenschaftlichen Namen verdankt (Lat. coronella = Krönchen). Den Namen Glattnatter verdankt sie ihren glatten Schuppen (Abb.1), durch die man sie gut von der Kreuzotter, mit der sie oft verwechselt wird, unterscheiden kann. Außerdem besitzt die für den Menschen ungiftige Schlingnatter kleine Augen mit runden Pupillen, während die giftigen Vipern schlitzförmige Pupillen haben. Sie bewegen sich sehr langsam und geräuschlos, sodass man die Tiere selbst dann nicht hört, wenn sie durch trockenes Laub kriechen. Bei Anzeichen von Gefahr verharrt sie unbeweglich und verlässt sich auf ihre Tarnung, sodass sie oft übersehen wird.   

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abb. 2: Farbvariation innerhalb der Art. Fotos: Marko Nikolic (oben li.), Maximilian Paradiz (oben re.), S.A. Antipov (unten li., unten re.).
Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abb. 1: Namensgebende glatte Schuppen der Glattnatter (Coronella austriaca). Foto: Cosmin-Ovidiu Manci

Die Schlingnatter liebt trockene und warme Orte und besiedelt daher ein sehr breites Spektrum von Biotoptypen. In Baden-Württemberg findet man sie vor allem auf wärmebegünstigten Hanglagen mit Mager- und Trockenrasen, sowie in Weinbergen. Dabei ist jedoch wichtig, dass der Lebensraum mosaikartig aus diversen Kleinstrukturen (Hecken, Trockenmauen, Steinhaufen usw.) und aus einem Wechsel von offenen, niedrigbewachsenen und von Gehölz dominierten Flächen besteht.  

In Deutschland findet man die Schlingnatter im Zeitraum von April bis Oktober. Im April beginnt die Paarungszeit, sodass ab Mitte August bis Ende September die Jungen schlüpfen, die im Gegensatz zu den Erwachsenen, einen ziegelroten Bauch haben. Tagsüber sind die Schlangen je nach Jahreszeit am Morgen und am Abend (im Sommer) oder am Mittag (im Herbst) aktiv, um sich an den Sonnenstrahlen aufzuwärmen.  Zu ihrer Nahrung zählen in erster Linie Eidechsen, Blindschleichen und diverse Mäusearten. Aber auch Knoblauchkröten, große Insekten und junge Vögel können gefressen werden. Größere Beute wird mit dem Maul festgehalten und durch Umschlingen des Körpers erwürgt (daher der Name Schlingnatter).

 

In Deutschland gilt die Schlingnatter als gefährdete Art und darf weder gefangen noch getötet werden. In der Vergangenheit wurde leider Jagd auf die heutzutage ebenfalls streng geschützte Kreuzotter gemacht, da die Regierung pro getöteter Viper einen Geldbetrag ausgezahlt hat. Dabei wurde oft fälschlicherweise die Schlingnatter zum Opfer. Doch auch ohne Verfolgung durch den Menschen drohen der Schlingnatter weiterhin Bestandsrückgänge durch fehlenden Lebensraum. Durch intensive und flächendeckende Landwirtschaft und falsch gepflegte Grünflächen gehen ihr und auch vielen anderen Tieren und Pflanzen potentieller Lebensraum verloren. Der Einsatz von Insektiziden wirkt sich ebenfalls negativ auf die Schlingnatter aus, da sie nur dort leben kann, wo eine ausreichend große Population an Eidechsen lebt, deren Nahrungsgrundlage wiederum Insekten darstellen.

Literatur zum direkt Nachlesen

  • Alfermann, D., R. Podlouky, M. Schweiger, A. Meyer & E. Engel (2012): Die Schlingnatter - Reptil des Jahres 2013.

  • Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs, Ulmer, E; Auflage: 1 (12. Juni 2007)

  • Die Amphibien und Reptilien Deutschlands, 1. Auflage, Gustav Fischer Verlag Jena

Verfasser: J. Michel