Die Hornisse (Vespa crabro Linnaeus, 1758)

Nach einem langen Winter, Anfang Mai, wenn die Tage wieder wärmer werden, kommt Leben in eine junge Hornissenkönigin. Diese braucht nun viel Futter: Pflanzensäfte von Bäumen (Abb. 1.) und Eiweiß von erbeuteten Insekten. Dies füllt ihre Reserven wieder auf, denn es liegt noch viel Arbeit vor ihr. Eine neue Behausung muss nun gefunden und ein neuer Staat will gegründet werden. Ist sie erfolgreich, so beginnt die Königin mit dem Nestbau.

Nun kann sich die Königin zurückziehen und muss das Nest nicht mehr verlassen. Ihre Arbeiterinnen übernehmen den Nestbau und schaffen das Futter heran. Die Königin konzentriert sich auf die Eiablage und füllt die neuen Brutzellen mit Eiern. Anfang August bauen die Arbeiterinnen größere Wabenzellen, bestimmt zur Aufnahme der nun folgenden sogenannten Geschlechtstiere. Die Königin legt nun im Wechsel befruchtete und unbefruchtete Eier ab. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich die Larven der zukünftigen Königinnen, aus den unbefruchteten Eiern entwickeln sich Hornissenmännchen. Mitte September ist es dann soweit, die Ersten von mehreren jungen ca. 4 cm lange Hornissenköniginnen schlüpfen aus ihren Wabenzellen. Der Start ins Leben beginnt für die neuen Königinnen völlig ohne Anstrengung, denn die Arbeiterinnen des Hornissenvolkes, ihre kleinen Schwestern, versorgen die jungen Königinnen ausgiebig mit nahrhaften Fleischstückchen. Diese stammen von Fliegen, Spinnen, Wespen und anderen Insekten (Abb. 5) die die Hornissenarbeiterinnen erbeuten.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Abbildung 5: Hornissen-Arbeiterin erbeutet eine Heuschrecke (Oedipoda caerulescen, Blauflügelige Ödlandschrecke). Foto: Andreas Haselböck

Erst konstruiert sie das Stielchen und dann daran die ersten Wabenzellen. In jede Wabenzelle wird auch gleich ein Ei gelegt (Abb 2.). Nach fünf Tagen schlüpfen schon Larven aus den Eiern und diese wollen gefüttert werden. Die Königin ist nun damit beschäftigt die Larven zu füttern, ihr kleines Volk zu verteidigen und das Nest weiterbauen. Erst Anfang Juni schlüpfen die ersten Arbeiterinnen (Abb. 3.) um ihre Königin zu unterstützen. Die Arbeiterinnen können selber keine Völker gründen, sie sind ausschließlich für den weiteren Aufbau des Volkes zuständig (Abb. 4.).

Dazu werden ihnen mundgerechte Tröpfchen von zuckerhaltigem Nektar sowie Baumsäften serviert. Gleichzeitig sind viele Männchen aus ihren Wabenzellen geschlüpft und werden ebenso versorgt. So vergehen ca. zwei Wochen in denen sie sich ein regelrechtes Fettdepot anfuttern können, ihre Lebensversicherung für den bevorstehenden langen Winter. Die Hornissenköniginnen und -männchen verlassen nun ihren Staat. Dies ist ein endgültiger Abschied, denn sie werden nicht mehr zurückkehren. Die Paarung steht bevor und für kurze Zeit entsteht ein regelrechter Liebesrausch. Doch um die Männerwelt ist es bald geschehen.

Hornisse und Mensch

Hornissen sind besonders geschützt und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen. In den meisten Fällen sind Hornissennester am Haus oder im Garten unbedenklich, da die Tiere nicht aggressiv sind und sich auch nicht für Süßigkeiten oder süße Getränke interessieren. Sie gehen nur ihrem Jagdtrieb nach Insekten nach. Der Stich einer Hornisse ist nicht gefährlicher als der einer Biene. Der weit verbreitete Spruch, dass drei Hornissenstiche einen Menschen und sieben ein Pferd töten können, ist also nur ein Mythos. Bei Veranlagungen zu allergischen Reaktionen sind allerdings alle Insektenstiche gefährlich. Hier ist der Besuch eines Arztes angeraten. Hornissen werden nachts vom Licht angelockt. Fenster sollten deshalb vor dem Einschalten des Lichts geschlossen oder mit einem Fliegengitter versehen werden. Sollte es dennoch zu Problemen kommen – etwa wenn ein Hornissen- oder Wespenvolk unmittelbar am Fenster eines Zimmers mit Kleinkindern nistet – oder Sie sich unsicher im Umgang mit Wespen sind, stehen ausgebildeten Hornissen- und Wespenfachberater Rede und Antwort. Die Adressen können über die Unteren Naturschutzbehörden, also die Landratsämter der Stadt- und Landkreise, erfragt werden. Diese Stellen vermitteln den Fachberater und erteilen bei erforderlichen Umsiedlungen die entsprechende Genehmigung.

Nach Erfüllung ihrer Aufgabe, der Weitergabe ihres Erbgutes, rückt auch ihr unvermeidbares tödliches Ende näher. Nun müssen sich die begatteten Jungköniginnen eine neue Behausung suchen. Ideal wäre ein Spalt in einem Baumstamm. Dort fallen sie in eine Winterstarre: Sie ziehen ihre Beine eng an den Körper, falten ihre Flügel unter dem Hinterleib zusammen und erstarren in vollkommener Regungslosigkeit. Ende November ist im großen Nest, in dem die jungen Hornissenköniginnen geboren wurden, Totenstille eingekehrt. Die alte Königin und ihre Arbeiterinnen sind alle gestorben, nur die jungen Königinnen warten gut versteckt darauf, im nächsten Frühjahr einen neuen Hornissenstaat zu gründen.

Verfasser: T. Schweizer

Literatur zum direkt Nachlesen

 

  • Ripberger, R. & C.-P. Hutter (1992) Schützt die Hornissen: Das Standardwerk zum Schutz der Hornissen und anderer Wespen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wien, Weitbrecht Verlag.